Beruf / Berufsbild Übersetzer

Übersetzer übernehmen in der Globalisierung eine zentrale Rolle bei der internationalen Kommunikation, indem sie Fach- und Sachtexte, seltener auch literarische Texte, aus einer Sprache in eine andere übertragen. Heute hat dieser Sprachenmarkt ein Milliardenvolumen, und die Fachgebiete mit ihrer jeweils speziellen Terminologie wachsen rasant und tauchen oft gar nicht mehr in gängigen (Fach-)Wörterbüchern auf. "Schneller, kundenspezifischer, vielfältiger" umschreibt die allgemeine Tendenz im wachsenden Markt der Übersetzungen - und computergestützte Übersetzungstools (neuerdings sogar webbasiert) sind mittlerweile Standard in der Branche. 

Spezialisierung zum Fachübersetzer

Eine EU-Studie hat ermittelt, dass die Sprachendienstleistungen etwa 8,4 Mrd Euro betragen und sich bis 2015 in der EU verdoppeln werden. Ein Beispiel: Meistens werden neue Produkte zeitgleich in der ganzen Welt eingeführt, und dies bedeutet, dass Betriebsanleitungen, Produktbeschreibungen, Schulungsunterlagen und Werbung zeitgleich in unzählige Sprachen übersetzt werden müssen. 

Unverkennbar ist daher die Tendenz zum Übersetzer als Expertenberuf (Fachübersetzer), der sich durch sein Fachwissen von technischen Neuerungen wie Crowdsourcing oder Online-Übersetzungsdiensten unabhängig machen kann. Immer mehr Spezialisierungen tun sich auf: technische Dokumentation, Patentübersetzungen und Normierung/Qualitätsstandards, IT-Bereich und Softwarelokalisierung, medizinisch-pharmazeutischer Bereich, nationales und internationales Recht, Wirtschaft und Finanzen, Politik, Kultur und Medien, Werbung/Marketing, Website-Übersetzungen für neue Auslandsmärkte oder die jugendgerechte Umarbeitung von technischen Dokumenten für Social Media. 

Man schätzt, dass es etwa 20.000 technische Fachbegriffe im KFZ-Bereich gibt, etwa 80.000 Namen für Medikamente und 60.000 Krankheitsbilder - und es werden jährlich um 10% mehr. Jedes engere Fachgebiet - ob im Bereich der Wirtschaft, der Technik oder der Medizin - hat heute zwischen 1000 - 10.000 hochspezialisierte Fachbegriffe, deren zweisprachige Beherrschung dem Fachübersetzer eine einzigartige Sonderstellung verleiht. Zur Qualitätssicherung wurde 2006 sogar die europäische DIN EN 15038 für Fachübersetzungen eingeführt.

Professionalisierung über Translations-Memory-Systeme

Was früher allein mit dem Wörterbuch erreicht wurde, ist heute ohne moderne Technik undenkbar geworden. Sprachendienstleister und freelancer setzen in technischen und wirtschaftsbezogenen Bereichen heute Translations-Memory-Systeme ein, die beim Aufbau eines fachspezifischen Wortschatzes helfen und die Corporate Identity des Kunden mit berücksichtigen. Neueste Lösungen setzen diese TM-Systeme sogar schon webbasiert ein, damit ein Übersetzerteam zeitgleich an einer Übersetzung arbeiten kann. 
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Anbietern, die unterschiedliche Software-Lösungen incl. der dazugehörigen Trainings anbieten. Sprachendienstleister oder Großfirmen schreiben oftmals die Software sogar vor, die bei einem Übersetzungsauftrag einzusetzen ist. Übersetzer müssen also im Idealfall mehrere TM-Systeme beherrschen.

Berufsalltag Übersetzer

Da gerade mittelständische Unternehmen keinen ständigen Übersetzungsbedarf haben, werden Übersetzer überwiegend als Freiberufler beschäftigt. Dies bedeutet für den Übersetzer, dass er sich gute Kenntnisse in Betriebsführung als Selbständiger zulegen sollte. Dies reicht von Kostenkalkulation über Versicherungen bis hin zu Arbeits- und Vertragsrecht und Marketing. Ob man als Übersetzer lieber im Team (Bürogemeinschaft, internationales Netzwerk), als selbständiger Übersetzer oder aber als freelancer für internationale Sprachendienstleister arbeiten möchte, ist eine Frage der Persönlichkeit - und der Fähigkeit, selbständig neue Aufträge akquirieren zu können.

Freiberufler-Netzwerke sind bei Übersetzern immer häufiger anzutreffen. Dies liegt an der Mobilität der Mitarbeiter, an der Tendenz zur Dezentralisierung von Übersetzungsarbeiten (Landesniederlassungen anstelle einer Übersetzerzentrale können Gesetze und Wortwahl eines Landes besser berücksichtigen) und der Notwendigkeit von Qualitätskontrollen im 4-Augen-Prinzip. Die Arbeit im Netzwerk hat zudem den großen Vorteil, dem Kunden ein breiteres Spektrum an Fachübersetzungen mit umfassender Kompetenz bieten zu können. Interkontinental organisierte Teams etwa können dank der Zeitverschiebung mehr als 20 h täglich an einem gemeinsamen, webbasierten Übersetzungsauftrag arbeiten - dies macht jedoch auch deutlich, dass Übersetzer dank des Internet weltweit miteinander um Übersetzungsaufträge konkurrieren.

Die Textsorten, die der Übersetzer in seiner Berufspraxis dann bearbeitet, umfassen Bedienungsanleitungen, Bewerbungen, Fachzeitschriftenartikel, Geschäftskorrespondenz, Industrievideos, Konferenztexte, Lehrbücher, Patentschriften, Pressetexte und Produktinformationen bis hin zu Schulungsunterlagen, Touristikbroschüren und Werbetexten. Näheres dazu auch unter uebersetzer-link.de/Textsorten.html.

Übersetzerkarriere - lohnt sich das?

"(...) Das Ausbildungsangebot ist im Vergleich zu übersetzerischen Entwicklungsländern wie den USA außerordentlich vielfältig. Privatschulen, Berufsakademien, Fachhochschulen und Universitäten bieten gut zwei Dutzend verschiedene Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten an. (...)

Ebenfalls in deutschen Landen liegt die mit Abstand größte Ausbildungseinrichtung der Welt: Am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft (FASK) der Uni Mainz in Germersheim sind 2.200 Studenten eingeschrieben. Und noch ein Superlativ: Deutschland ist der größte Übersetzungsmarkt der Welt. Hier werden pro Jahr 30 Mio. Seiten übersetzt (1992). In der EU sind es 100 Mio., weltweit 200 Mio. Seiten (1987).

Der Übersetzungsmarkt ist seit mindestens hundert Jahren ein Wachstumsmarkt, dessen Volumen in wirtschaftlich guten Zeiten um 10 bis 12 Prozent pro Jahr zulegt. Selbst in Krisenzeiten wächst der Markt um ungefähr 5 Prozent. Auch die Honorare im deutschsprachigen Raum können sich sehen lassen. In Italien und Spanien wird oft nicht einmal die Hälfte gezahlt. Die Kunden begleichen ihre Rechnungen schnell, nämlich im Durchschnitt nach 40 Tagen. In Belgien muss man 60, in Italien 90 und in Japan 180 Tage auf sein Geld warten.

In Deutschland gibt es rund 30.000 Übersetzer. Von diesen arbeiten 6.000 im Angestelltenverhältnis und 24.000 als Freiberufler. So gesehen sind Deutschland, Österreich und die Schweiz im internationalen Vergleich ein Paradies für Übersetzer."
(zitiert nach Übersetzerportal http://uepo.de, 2013)

Karriere, stepstone & Co.

Spezialisierte Portale wie www.proz.com geben Ihnen detaillierte Einblicke in den freiberuflichen Übersetzungsmarkt. Neben der reinen Tätigkeit als Übersetzer sind natürlich auch Festanstellungen in Büros international orientierter Unternehmen üblich, in denen neben Übersetzungen auch hochwertige Sachbearbeitungen übernommen werden. 
Nutzen Sie Portale wie stepstone, um sich bereits jetzt ein unabhängiges Bild vom Arbeitsmarkt zu machen. Geben Sie als Suchbegriffe nicht nur "Übersetzer" ein, sondern auch Office Manager, translator, Teamassistenz u.ä. - denn je nach Unternehmensgröße und Tätigkeit variieren die Berufsbezeichnungen für vergleichbare Anforderungsprofile, bei denen hervorragende Sprachenkenntnisse erwartet werden, erheblich.


 

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