Leitung: Simone Scharrer

Rahmen: Anspruchsvoller Sprachunterricht ist die Kernkompetenz der WDS seit über 50 Jahren, es werden nachweisbar jährlich Spitzenergebnisse in Bayern erzielt. Bemerkenswert ist der hohe Anteil von Doppelabschlüssen „Übersetzer*in und Dolmetscher*in“ (60-70% pro Jahrgang), die auf den besonderen Stellenwert des Dolmetschens an der „Dolmetscherschule“ verweisen.

Zielsetzungen: Projektarbeit, Flipped Classroom, E-Learning, Prüfungswochen, CAT/Fachübersetzung, Videodolmetschen und Aufwertung von mündlichen Unterrichtsbeiträgen sind Herausforderungen, die in gezielt ausgewählten Fächern/Klassen getestet und dann in den Schulalltag übernommen werden. WDS MODUS ist dabei eng verzahnt mit WDS Persönlichkeit (moderne Unterrichtsmethodik ist auch eine Förderung der Eigenverantwortlichkeit und des selbstbewussten Auftretens) und mit WDS DIGITAL (multimediale Methodik).

Werkstattberichte
Ein Plädoyer für die „echte“ mündliche Leistung

Im universitären und im schulischen Kontext ist der Stellenwert mündlicher Leistungen deutlich gestiegen und zählt bisweilen bereits 50-100 Prozent der Note. In echten mündlichen Fächern wie Dolmetschen oder Sprechfertigkeit ist dies natürlich auch an unserer Schule der Fall. Anders sah es lange Zeit in den klassischen schriftlichen Fächern aus.

Mündliche Noten sind auch hier verpflichtend vorgegeben, wurden aber in der Unterrichtspraxis lange Zeit vermieden. Kurzarbeiten von 20 Minuten haben – ähnlich wie Extemporalien - zwar den Charakter von schriftlichen Prüfungen, werden aber wegen der geringen Stofffülle und der kurzen Prüfungsdauer schulrechtlich als mündliche Note gewertet. In der Praxis führte dies dazu, dass nur wenige „echte“ mündliche Noten vergeben wurden.

Der Vorteil von schriftlichen Kurzarbeiten und Extemporalien bei der mündlichen Notenvergabe liegt in ihrer Vergleichbarkeit: das Thema und das Anspruchsniveau sind für alle Teilnehmer*innen gleich, die Noten entstehen zum gleichen Zeitpunkt, und die Dozentin oder der Dozent hat einen eindeutigen Status Quo der gesamten Klasse. Und dank der verschriftlichten Fassung liegen überprüfbare Nachweise vor, wenn es tatsächlich zu einem nachträglichen Einspruch gegen die Notengebung kommen sollte. Der Zeitaufwand eines „Schnelltests“ im Unterricht ist zudem geringer als mündliche individuelle Abfragen und organisatorisch gerade dann einfacher zu handhaben, wenn man an längere Krankheitsphasen von Teilnehmern denkt. Vielen Dozierenden und Teilnehmenden ist der Gedanke ein Graus, dass jeder ein Referat halten muss, um zu einer echten mündlichen Note zu kommen – Vorträge unterschiedlichster Qualität reihen sich endlos aneinander und werden als Zeitverlust empfunden.

Also besser alles beim Alten belassen und auf „echte“ mündliche Noten verzichten? Ganz so einfach ist es nicht. Mit WDS PERSÖNLICHKEIT haben wir uns vorgenommen, das Selbstbewusstsein unserer Teilnehmer*innen gezielt zu fördern – und hier können echte mündliche Unterrichtsbeiträge sehr wohl helfen. Jederzeit für eine mündliche Abfrage bereit zu sein schult das langfristige Lernen, die Aufmerksamkeit im Unterricht und die Eigenverantwortlichkeit. Mündliche Stundenzusammenfassungen zu Unterrichtsbeginn zwingen dazu, den Stoff der letzten Stunde regelmäßig parat zu haben – etwa als Erläuterung von diskutierten Übersetzungsvarianten oder landeskundlichen Problemstellungen – und sich nicht erst kurz vor einer Klausur auf das Auswendiglernen eines Skripts zu verlassen. Teilnehmer*innen müssen in solchen mündlichen Prüfungssituationen frei sprechen und auf Nachfragen des Dozierenden spontan reagieren können – ein hilfreiches Training auch für das Dolmetschen. Ein kurzes Feedback des Dozierenden begründet die mündliche Note und schafft eine einheitliche Wissensbasis für den folgenden Unterrichtsstoff.

Natürlich gibt es immer wieder schüchterne Teilnehmende, denen die Vorstellung einer mündlichen Abfrage unbequem ist, aber auch sie müssen lernen über ihren Schatten zu springen. Für sie haben wir die Lösung gefunden, dass ihnen vorab signalisiert wird, dass ihre mündlichen Unterrichtsbeiträge in den nächsten Wochen als mündliche Bereichsnote gewertet werden. Richtig angewendet führt dieses Angebot von Dozent*innen zu einer deutlich verbesserten Mitarbeit der gesamten Klasse – und die Angst vor „falschen Antworten“ sinkt deutlich.

Wichtig ist, dass sich ein Kollegium bei „echten“ mündlichen Noten auf ein gemeinsames Vorgehen einigt und sich über den Anspruch an echte mündliche Leistungen in jeder Jahrgangsstufe verständigt – hinsichtlich Selbstbewusstsein und Auftreten, sprachlicher Klarheit, fachlichem Problembewusstsein und Lernhaltung. Aus Teilnehmersicht wirkt dies koordiniert und zielorientiert, und für den Dozierenden wird aus einem gefühlten Zeitverlust letztlich ein Gewinn an Motivation und Effizienz im Unterricht.

Distanzunterricht oder Mitlernen von zu Hause

Die wahrscheinlichste Alternative zum reinen Präsenzunterricht bleibt bis auf Weiteres der „hybride Unterricht“, wobei eine Klasse geteilt wird – die eine Hälfte ist in der Schule im Präsenzunterricht, die andere zu Hause im Distanzunterricht. Die Probleme für die Schülergruppe im Homeoffice wurden aber bereits sichtbar: Schüler*innen fehlte zu Hause die feste Struktur eines Schultages, oftmals gab es kein Feedback von Lehrkräften zu den abgelieferten Hausaufgaben, Wochenplanarbeit führte zu unkontrollierter Über- und Unterforderung, die soziale Anbindung an die Klassenkamerad*innen fehlte durch lange Auszeiten, und Unterricht in Videokonferenzen „nervte“ spätestens bei größeren Gruppen durch Übertragungsfehler. Lernrückstände und steigende Zeiten mit Computerspielen waren die Folge.

Die WDS verstand von Beginn an diesen Distanzunterricht als ein zeitgleiches Mitlernen von zu Hause aus, wenn Klassen geteilt werden mussten. Das bedeutet in erster Linie, dass jeder Schüler und jede Schülerin wöchentlich mindestens an 2-3 Tagen in der Schule anwesend ist und persönlichen Kontakt zu Lehrer*innen und Mitschüler*innen hat. Mitlernen bedeutet für uns auch, dass unsere Multimediatechnik es allen Schülerinnen und Schülern im Homeoffice ermöglicht, live in jeder einzelnen Unterrichtsstunde per Audio störungsfrei zugeschaltet zu sein, um damit nicht nur alle Fragen der Mitschüler*innen vor Ort, sondern auch die Erklärungen des Lehrers oder der Lehrerin mitverfolgen zu können – eigene spontane Fragen zum Verständnis eingeschlossen. So kann die feste Struktur des Schulalltags und des Stundenplans von zu Hause aus einfach weitergeführt werden. Die beiden Klassenteile werden dann – und das ist ganz wichtig – regelmäßig durch Videokonferenzen (ZOOM oder TEAMS) in einer virtuellen Klassenkonferenz zusammengeführt. Individuelle Chat-Sprechstunden unterstützen im Notfall.

Die Grundlage für einen verzahnten Präsenz- und Distanzunterricht als Mitlernen von zu Hause war stimmig, aber Verbesserungen sind immer möglich. Ab dem Schuljahr 2020-2021 erhalten unsere Schüler*innen - im Fall von erneuter Klassenteilung und Distanzunterricht - für jede Unterrichtsstunde ein Skript oder eine Powerpoint-Vorlage, anhand derer sie sich während des Unterrichts auch von zu Hause aus rasch in jeder Unterrichtsphase orientieren können. Lehrkräfte können jederzeit die elektronischen Tafelbilder und die handschriftlich kommentierten Übersetzungstexte am Touchscreen aus dem Unterricht an die Schüler*innen im Homeoffice versenden – so haben alle das gleiche Zwischenergebnis als Grundlage für den nächsten Unterrichtsschritt. Ein elektronischer Kurztest für beide Gruppen – für die Präsenzgruppe in der Schule und für die Schülergruppe im Homeoffice – schafft am jeweiligen Stundenende für beide Seiten die Sicherheit für die Folgestunde.

Als eigenständiges Projekt testen wir zudem die virtuelle Teamarbeit – also eine Gruppenarbeit von Schülerinnen und Schülern, die sich alle gleichzeitig im Homeoffice befinden und nur virtuell miteinander arbeiten können. Herausforderungen gibt es nämlich noch genug …