KI vs Mensch: Warum die Branche der Sprachberufe (nicht!) vor dem Aus steht

In der neuen Folge von ISM Perspectives On… spricht Simone Scharrer, Leiterin der Würzburger Dolmetscherschule, über den Wandel der Sprachberufe durch KI-Tools wie DeepL und Large Language Models. Im Fokus:

  • die Rolle von KI in der professionellen Praxis,
  • die Grenzen von KI bei Empathie, Humor und kulturellen Nuancen,
  • und die Frage, wie das Berufsbild in Zukunft aussehen könnte.

Tag der offenen Tür: 27. Juni 2026, 10 bis 13 Uhr

Anmeldungen für das Schuljahr 2026/27 sind in allen Ausbildungen möglich. Wir beraten dich gerne in der WDS oder telefonisch. Termine vergibt unser Sekretariat über 0931-52143 oder info@dolmetscher-schule.de.

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Q&A: Unsere Ausbildungen und KI
Welche Prozesse übernimmt die KI im Job heute schon?

KI ist bereits in vielen Berufsbereichen fest integriert und übernimmt automatisierbare Prozesse. Im Büroalltag hilft sie bei der Terminplanung, dem Verfassen von E-Mails und der Datenanalyse. Im Finanzwesen wird KI für die Betrugserkennung und den algorithmischen Handel eingesetzt. Auch im Kundenservice sind Chatbots und virtuelle Assistenten zur Beantwortung einfacher Anfragen weit verbreitet. In der Fertigung steuern KI-Systeme Roboter und optimieren die Produktionsabläufe („Dark Factories“). In der Logistik werden Routen für Lieferfahrzeuge durch KI-Software berechnet, um Zeit und Kraftstoff zu sparen.

Wie technisch sind Berufe im Sprachenbereich grundsätzlich?

Berufe im sprachlichen Bereich, insbesondere die des Übersetzers und Dolmetschers, sind heute deutlich technischer als früher. Grundsätzlich sind diese Berufe jedoch nicht im Sinne von Programmierkenntnissen oder Hardware-Wartung technisch, sondern im Sinne der Anwendung digitaler Werkzeuge. Es geht darum, mit Übersetzungstools, Terminologiedatenbanken und KI-gestützten Softwarelösungen umgehen zu können. Die Arbeit mit digitalen Medien und Plattformen ist ein zentraler Bestandteil des Arbeitsalltags. Allgemeine Recherche- und Medienkompetenzen sind definitiv von Vorteil, liegen aber häufig sowieso im Interessengebiet von sprachbegeisterten Menschen 😉.

Welche Grundkenntnisse im Bereich Technik muss ich für eine Ausbildung an der WDS mitbringen?

Um als Übersetzer oder Dolmetscher erfolgreich zu sein, sind keine tiefgehenden Programmierkenntnisse notwendig. Wichtiger ist ein grundlegendes technisches Verständnis und die Bereitschaft, sich in neue Software einzuarbeiten. Folgende Grundkenntnisse sind von Vorteil:

  • Sicherer Umgang mit gängiger Office-Software (z.B. Microsoft Word, Excel, PowerPoint).

  • Kenntnisse von CAT-Tools (Computer-Aided Translation Tools) wie SDL Trados oder memoQ.

  • Grundverständnis für Datenbanken und Terminologieverwaltungssysteme.

  • Vertrautheit mit Cloud-basierten Diensten und Online-Plattformen.

Keine Sorge, die WDS ist eine ausgezeichnete „Digitale Schule“ und „MINT-freundliche Schule“. Alles, was ihr an technischen Fertigkeiten für den Job draufhaben müsst, lernt ihr bei uns 💪.

Welche Berufe kann ich mit einem Abschluss an der WDS ergreifen?
  • Ein Abschluss an der Würzburger Dolmetscher Schule öffnet die Türen zu einer Vielzahl von Berufen im sprachlichen Bereich. Klassische Berufe sind natürlich Übersetzer und Dolmetscher, sowohl als Freiberufler als auch in Festanstellung. Darüber hinaus qualifiziert der Abschluss für:
  • Lektorat und Sprachredaktion in Verlagen oder Medienhäusern.
  • Terminologen, die Fachwortschätze verwalten und pflegen.
  • Projektmanager in Übersetzungs- und Marketingagenturen
  • Transkreatoren, die Werbetexte kultursensibel anpassen.
  • Sprachentwickler und Tester im Bereich KI und Software.
  • Office Manager im Verwaltungsbereich im öffentlichen Dienst
  • Legal Assistants in Rechtsanwaltskanzleien
  • Und Vieles mehr 🤩!
Sind Berufe mit einem Fokus auf Sprachen und Kommunikation noch zukunftsfähig?
  • Ja, Berufe im Sprachenbereich sind absolut zukunftsfähig 🚀. Während KI repetitive und einfache Übersetzungsaufgaben übernimmt, wächst der Bedarf an hochqualifizierten Sprachprofis. KI ist ein Hilfsmittel, das die Effizienz steigert, aber menschliche Kompetenzen bleiben unverzichtbar.
  • Kulturelle Sensibilität: KI kann keine Nuancen, Ironie oder kulturelle Kontexte vollständig erfassen.
  • Kreativität: Für literarische Übersetzungen, Werbetexte und kreatives Schreiben ist menschliche Kreativität unersetzlich.
  • Spezialisierung: In komplexen Fachgebieten wie Recht, Medizin oder Technik ist die Expertise eines menschlichen Fachübersetzers gefragt.
  • Mündliche Kommunikation: Beim Dolmetschen in Echtzeit, sei es bei Konferenzen oder Gerichtsverhandlungen, ist die Interaktion und das situative Verständnis des Menschen unerlässlich. 
Wo sind die Schwächen von KI im Sprachenbereich?

Während der Bereich des Übersetzens die KI als Hilfsmittel stark integriert, gelingt das beim Dolmetschen nachweislich noch nicht: The Shocking Truth About AI Interpreting: WHO Study Reveals Why It's a Disaster Waiting to Happen

Trotz ihrer Fortschritte hat KI im Sprachenbereich erhebliche Schwächen:

  • Kontextverständnis: KI-Systeme übersetzen oft wörtlich, ohne den tieferen Sinn, Metaphern oder Redewendungen zu verstehen.
  • Kulturelle Nuancen: Kulturelle Besonderheiten, Anspielungen oder Witze können von KI nicht adäquat wiedergegeben werden.
  • Fehler in der Emotion: KI kann Emotionen wie Ironie, Sarkasmus oder Empathie nicht zuverlässig erkennen oder transportieren.
  • Mangel an Kreativität: Bei kreativen Texten wie Gedichten, Werbeslogans oder literarischen Werken liefert KI oft generische und seelenlose Ergebnisse.
  • Spezialisierte Fachgebiete: In hochkomplexen Nischenbereichen, in denen Präzision entscheidend ist, neigt KI zu fehlerhaften Übersetzungen.

Und die vermeintlich größte Schwäche von KI:

  • Sie kann nur kategorische Lösungen bieten. Oder anders ausgedrückt: die KI lügt. So bleiben Fehler häufig unerkannt und nur ein geschultes (menschliches) Auge kann diese Fehler ausfindig machen und die KI zur Überarbeitung „prompten“.
Kann ich in Zeiten von KI überhaupt noch das studierenden, was mir gefällt?

Absolut! Es ist wichtiger denn je, das zu studieren, was einem liegt, und die eigene Leidenschaft zu verfolgen. KI ist ein Werkzeug, das viele Routineaufgaben automatisieren kann, aber die menschlichen Fähigkeiten wie Kreativität, kritisches Denken, Empathie und strategisches Problemlösen werden dadurch noch wertvoller. Eine Ausbildung im sprachlichen Bereich lehrt nicht nur die Sprache an sich, sondern auch das Verständnis für Kultur, Kommunikation und menschliche Interaktion und den Umgang mit Technik.